Dorferneuerung Nieder-Oberrod
Der Weg zur Dorferneuerung in Nieder-Oberrod.
Bereits lange vor Aufnahme Nieder-Oberrods in das Programm „Dorferneuerung“ wurde auf Initiative des Ortsbeirates ein Dorfentwicklungsausschuss gegründet. Unter Beteiligung der örtlichen Vereine wurde in vielen Sitzungen überlegt, in welchen Bereichen positive Veränderungen notwendig sind. Ziel war es, die Entwicklung Nieder-Oberrods mitzugestalten. Im Wesentlichen wurden seinerzeit schon die Ziele formuliert, die in das spätere Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurden. Kleinere Dinge wurden durch Gemeinschaftsarbeit selbst erledigt.
Nach erfolgreicher Teilnahme am Wettbewerb „ Unser Dorf“ erfuhren wir dann Unterstützung der Stadt Idstein und des damaligen Landwirtschaftsamts bei dem Bemühen, in das Programm des Landes Hessen aufgenommen zu werden. Es war erkannt worden, dass bei der Einwohnerschaft ein starkes Maß an Bereitschaft zur Mithilfe vorhanden war.
Dorferneuerung, im Weiteren „DE“ genannt, gibt es in Hessen schon mehrere Jahrzehnte.Alle Landesregierungen, egal welchen politischen Parteien sie angehörten, halten dankenswerter Weise an diesem Programm fest.Ziele und Inhalte haben sich im Laufe der Zeit naturgemäß verändert. Im Wesentlichen soll der Charakter der hessischen Dörfer erhalten und das Gemeinschaftsleben der Dorfbewohner erhalten und ggf. gestärkt werden. Aber auch Umweltschutzgedanken sind in dem Programm verankert.
Wenn man bedenkt, dass noch vor 40-50 Jahren fast jedes Anwesen in Nieder-Oberrod mehr oder weniger in die Landwirtschaft eingebunden war, hat sich dies in relativ kurzer Zeit sehr verändert. Es gibt heute keinen Haupt-erwerbslandwirt mehr und wenn man von dem einen oder anderen Schlachtschwein absieht, auch keine landwirtschaftl. Viehaltung mehr. Die Interessen der Bewohner haben sich extrem verlagert.
Ein Dorf ist heute mit jeder beliebigen Anliegerstraße in Deutschland vergleichbar, eine Wohn u. Schlafstätte. Allerdings fast ohne die Möglichkeit, Dinge, die zum Leben benötigt werden, in Dorf zu erhalten. Ohne Kfz. oder den öffentl. Nahverkehr käme niemand zur Arbeit oder zum Einkaufen.
Was macht also den Reiz aus, in einem Dorf wie Nieder-Oberrod zu Leben? Für die, die hier geboren sind, gibt es sicherlich andere Gründe, als für die, die sich entschlossen haben, hier zu wohnen. Es ist die Ruhe, die Überschau-barkeit, ein Paradies für Kinder und was mir immer wieder als Grund genannt wurde, ein intaktes Gemeinschaftsl-eben. Jeder kennt jeden, Nachbarschaftshilfe ist nicht nur ein Schlagwort. Für die hier Aufgewachsenen ist es einfach „ die Heimat“. Für die sogenannten Zugereisten wird es in den meisten Fällen zur Heimat.
Entscheidend für ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl sind die Aktivitäten der örtlichen Vereine. Sie bringen „Leben ins Dorf“. Einmal durch die regelmäßige Übungsstunden, aber auch durch Feste und Feiern zu besonderen Anlässen.Deshalb war es erklärtes Ziel des Arbeitkreises DE, den Vereinen eine gute Grundlage für ihre weitere Existenz zu schaffen.
Die Zahl derer, die sich in den Vereinen engagieren, nimmt allgemein ab. Klar ist aber, dass ohne ehrenamtliches Tun ein Gemeinwesen nicht funktionieren kann. Es sollte deshalb jeder darüber nachdenken, dass er hier in seinem näheren Umfeld die Möglichkeit hat, in den verschiedensten Bereichen dieses Umfeld mitzugestalten.In diesem Sinne haben wir mitgeholfen, der Feuerwehr ein neues „Zuhause“ zu schaffen, das DGH um einen Jugendraum und einen Vereinsraum erweitert. Alles Dinge, die ohne DE durch die Stadt alleine nicht, oder nur über einen wesentlich längeren Zeitraum hinweg zu schaffen gewesen wären.Es war sehr erfreulich zu sehen und zu erleben, wie über die große Übereinstimmung zu den einzelnen Projekten im Arbeitskreis, die zuständigen Behörden, Stadtverwaltung Idstein, Amt für den ländlichen Raum, die Planungsbüros usw. uns unterstützt haben.
Außergewöhnlich hoch war die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, die Planungen in die Tat umzusetzen. Beim Umbau des DGH, was rund ein Jahr dauerte, oder die „ Blitzaktion“ Spielplatzbau in Niederrod. Dafür danke ich allen an dieser Stelle sehr herzlich und ziehe symbolisch meinen Hut vor unseren engagierten Mitbürgern.Das gemeinsam etwas geschaffen wurde, trägt dazu bei, dies auch zu bewahren und zu schützen und stärkt das „Wirgefühl“.
Das Programm „Dorferneuerung“ umfasst aber nicht nur den öffentlichen Bereich, sondern fördert in gleichem Maße auch private Vorhaben, z. B. Wohnraumschaffung aus Nebengebäuden, Energieeinsparung oder Fassadengestaltung. Auch hier haben sich die Einwohner Nieder-Oberrods in besonderem Maße beteiligt, sich beraten lassen und Fördermittel erhalten. Das Bewußtsein, was die Eigenart eines Dorfes ausmacht in Hinblick auf Materialwahl, Gestaltung usw. wurde gestärkt.
Es besteht auch nach Beendigung des DE-Programmes die Möglichkeit der Beratung und unter Umständen auch der Förderung durch die Stadt Idstein.Abschließend möchte ich betonen, dass ich stolz darauf bin, was wir gemeinsam geschaffen haben.
Vorsitzender des Dorferneuerungsausschusses Hans- Werner Scherf
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